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Chichen Itza & Valladolid

Am heutigen Montag habe ich den ersten Ausflug meines Urlaubs gemacht. Ziel waren die Ausgrabungsstätte Chichen Itza, welche zu den sieben neuen Weldwundern gehört, sowie die im spanischen Kolonialstil errichtete Stadt Valladolid.

Zum Glück ist der Ausflug nicht ins Wasser gefallen, obwohl wir uns bei der Abfahrt so gegen kurz vor Acht noch gar nicht sicher waren, was uns erwartet. Ursache für die Zweifel am Wetter waren die Ausläufer der Hurricane Richard, die uns gestern Abend und heute früh kräftigen Regen und Gewitter beschert haben. Freundlicherweise hatte der Wettergott ein Einsehen mit unserer Reisegruppe, so dass es bis auf ganz wenige Tropfen trocken geblieben ist. Auf dem Gelände von Chichen Itza war es sogar ein Vorteil, dass wir nicht von der prallen Sonne gegrillt wurden. Bei der extremen Luftfeuchtigkeit des heutigen und so circa 26°C Wärme, benötigte man auch einfach keine Sonne mehr, um ins Schwitzen zu kommen.

Als wir nach einer ewig scheinenden Busfahrt durch den teils strömenden Regen (sie hat ca 3,5 Stunden gedauert - das sollte nach 10,5 Stunden Flug eigentlich ein Klacks sein :-P), sind wir in Chichen Itza angekommen. Dort bekamen wir von unseren Reiseführern das Hotel gezeigt, in dem wir nach dem Besuch der Ausgrabungsstätte in unserer Freizeit (also ohne Gruppenzwang, was die Essenszeit angeht) unser Mittagessen einnehmen würden. Daraufhin wurde unsere Gruppe in zwei kleinere Gruppen aufgeteilt, da eine Führung über das Gelände in einer Gruppe von 47 Personen wenig Sinn macht. Die Führung meiner Gruppe war sehr locker gehalten, was nicht bedeutet, dass die Informationen zu kurz gekommen sind. Den absoluten Höhepunkt der Führung bot natürlich die Pyramide des Kukulcán.

Pyramide des Kukulchán in Chichen Itza

Im Gegensatz zu den Pyramiden der Ägypter handelt es sich bei dieser Pyramide nicht um eine Grabstätte. Es ist vielmehr ein Beweis der enormen Fähigkeiten, über welche die Maya als Baumeister verfügten. Diese Pyramide hat an jeder Seite 91 Stufen und das oben zu erkennende Tempelhaus steht auf einer weiteren Stufe. Somit entspricht die Gesamtzahl aller Stufen der Anzahl der Tage, die ein Jahr hat (365 für alle, die nicht mitgerechnet haben :-P).

Eine weitere Besonderheit der Pyramide ist an zwei Tagen im Jahr zu erkenne. Jeweils wenn Tag und Nacht gleichlang sind (also am 21. März und 21. September) bietet die Pyramide in Verbindung mit den Schlangenköpfen am Fuße der Treppen ein Licht- und Schattenspiel, so dass es aussieht, als würde sich eine Schlange die Pyramide herunterwinden. Zu diesem Ereignis strömen Tausende Besucher auf das Gelände.
Ein zweiter bemerkenswerter Bau ist das Observatorium der Maya. Seine Bauform weist durchaus Ähnlichkeit mit heutigen Sternenwarten auf:

Das Observatorium von Chichen Itza.

Mit Hilfe dieses Observatoriums waren die Maya in der Lage, extrem genaue Beobachtungen und Berechnungen zu machen. Nur so ist zum Beispiel zu erklären, dass die soeben beschriebene Pyramide so ausgerichtet wurde, dass dieses "Lichtspektakel" zur Tag- und Nachtgleiche überhaupt möglich ist. Leider ist im Rahmen der spanischen Eroberung der Großteil des Maya-Wissens verloren gegangen, da der spanische Bischof das Wissen der Maya für heidnische Ketzereien hielt und somit die Bücher der Maya in großer Zahl verbrennen ließ. Interessanterweise ist diesem Bischof aber auch die Rettung von vielen Kenntnissen der Maya zu verdanken, da er - nachdem er für seine Buchverbrennungen einen Rüffel vom Papst bekommen hat - viel Mühe darin investiert hat, das Wissen der Maya zu sichern, indem er mit alten Mayas sprach und die Sachen, die er erfahren hat, aufgeschrieben hat.

An dieser Stelle ist es auch Zeit, einmal mit dem Gerücht aufzuräumen, dass die Mayakultur vollkommen tot ist. Ich fand den Ausdruck unserer Reiseführerin auf der Fahrt nach Chichen Itza sehr treffend. Sie sagte, dass die Spanier zwar die Hochkultur der Maya zerstört haben, wozu zum Beispiel Tempelanlagen, Könige und Priester zählen. Die Spanier haben es aber weder geschafft, das Volk der Maya noch deren eigene Sprache auszurotten. Derzeit gibt es über 6 Millionen Menschen, die Maya sprechen. Ein Großteil davon lebt in den inneren Teilen Yucatans, spricht Maya und pflegt auch weiterhin die traditionellen Riten ihres Volkes.

Im Rahmen des Busuchs in Chichen Itza und den neuen Kenntnissen zum Maya-Volk habe ich auch ein schönes Souvenir gefunden. Von einer Forschungsstelle, die sich mit dem Wissen der Maya beschäftigt, wurde angeboten, dass man sich ein beliebiges Datum in der Darstellung der Maya anfertigen lassen kann.

Das Souvenir aus meinem Mexiko-Urlaub 2010

Das Foto zeigt, wie mein Geburtstag in der Schreibweise des Maya-Kalenders aussehen würde. Dabei handelt es sich um eine Zeichnung auf traditionellem Maya-Papier und die Hieroglyphen sind mit den ursprünglich genutzten Farben gezeichnet. Zu diesem Blatt Papier gehören noch ein Echtheitszertifikat sowie eine ausführliche Erklärung der Zeitrechnung der Maya. Ich denke, dass ich in der restlichen Zeit hier kaum ein Souvenir finden dürfte, was so sehr die Tradition der Ureinwohner meines Urlaubslandes mit einem persönlichen Bezug zu mir kombiniert.

Nachdem wir nach unserer Führung über das Gelände dort Freizeit und die Gelegenheit zum Mittagessen hatten, machte sich unsere Gruppe auf die Rückreise nach Playa del Carmen. Auf dieser Rückreise gab es noch einen Zwischenstopp in Valladolid, einer Stadt, welche das typische Bild von spanischen Kolonialstädten zeigt. Zu diesem Stadtbild zählen zum Beispiel die geradlinige Anlage von Straßen, die statt Namen nur Nummern haben und ein großer Dorfplatz in der Mitte der Stadt, um welchen herum sich alle wichtigen Einrichtungen befinden.

Die Kirche in Valladolid vom großen Platz aus gesehen.In Valladolid sind diese Einrichtungen die große Hauptkirche, das Rathaus und (mindestens) eine Bank. Auf dem Foto sieht man den Blick vom zentralen Platz in der Stadt auf die schlicht gestaltete Kirche. Grund für die sehr schlichte Gestaltung dieser Kirche ist, dass sie von Franziskaner-Mönchen gegründet wurde. Die Franziskaner vertreten einen sehr reinen Glauben, der keine Ausschmückung durch unmengen von Gold oder sehr bunte Kirchenfenster benötigt. Mehr ist zu Valladolid eigentlich auch nicht zu erwähnen, was auch dadurch unterstrichen wird, dass wir dort einen Aufenthalt von nur 30 Minuten hatten, während wir 4 Stunden in Chichen Itza waren und noch deutlich länger im Bus gesessen haben 😉

Bei mir stehen jetzt erst einmal wieder zwei ruhigere Urlaubstage auf dem Programm. Am Donnerstag steht dann mit Tulum (ebenfalls eine alte Maya-Stätte) und einem Besuch in Xel-Ha (einem Naturpark, der ein Schnorchelparadies ist), der nächste Ausflug auf dem Programm. Dieser ist von der Fahrzeit her allerdings erhablich kürzer. Nach Tulum fährt man von Playa del Carmen aus gut eine Stunde.

Ich werde mich voraussichtlich dann am Donnerstag oder am Freitag wieder melden, um euch von meinen Erlebnissen in Tulum und Xel-Ha zu berichten.

Liebe Grüße aus Mexiko,
Christian

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